Das Projekt

Die Kommunen

Warum diese beiden Modellkommunen?

NetzWege arbeitet mit einer Stadt und einem Landkreis, um städtische und ländlich geprägte Strukturen miteinander zu vergleichen und übertragbare Lösungsansätze für andere Kommunen zu entwickeln.

Beide Kommunen:

  • sind motiviert, Grundbildung strategisch zu verankern,
  • haben an Förderprogrammen der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement teilgenommen,
  • verfügen über verstetigte Strukturen eines datenbasierten Bildungsmanagements (Bildungsbüros).

Diese Voraussetzungen bieten ideale Bedingungen, um kommunale Grundbildungspfade zu entwickeln, zu testen und auf andere Kommunen zu übertragen.


Die Stadt Offenbach

Ausgangslage

Mit ca. 130.000 Einwohner*innen ist Offenbach die fünftgrößte Stadt Hessens und Teil der Rhein-Main-Region. Die Stadt ist geprägt von schnellem Strukturwandel, sozialen Herausforderungen und einer sehr jungen, vielfältigen Bevölkerung:

  • Altersdurchschnitt: 40 Jahre
  • Anteil Menschen mit Migrationshintergrund: 65,8 %
  • Arbeitslosenquote (Sommer 2025): 6,9 %
  • Dienstleistungsorientierte Wirtschaftsstruktur
  • Angespannte Haushaltslage – dennoch hoher Einsatz im Bildungs- und Sozialbereich

Offenbach war Modellkommune im Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ und investiert seit vielen Jahren intensiv in die Verbesserung von Bildungsprozessen und Übergängen.

Grundbildung in Offenbach

Trotz begrenzter Ressourcen verfügt Offenbach über eine beachtliche Vielfalt an Grundbildungsangeboten:

  • Grundbildungszentrum an der vhs (seit 2017)
  • Lese- und Schreibkurse
  • Lesespaziergang, Lese-Café und Digital-Café
  • Selbstlernzentrum
  • „Mama lernt Deutsch“-Kurse in Schulen und Stadtteilbüros

Daneben gibt es zahlreiche grundbildungsrelevante Angebote, die nicht als solche bezeichnet werden, darunter:

  • Netzwerk Elternschule (Programm „Elternmentor*innen“)
  • Sprachtreff des Freiwilligenzentrums
  • Angebote der MainArbeit
  • Initiativen lokaler Vereine

Die Sensibilisierung in der Stadtverwaltung ist weit fortgeschritten: Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe erstellt regelmäßig Artikel in leichter Sprache für die lokale Presse.

NetzWege in Offenbach

Gemeinsam mit der Kommune wurde die Zielgruppe „Mütter mit Deutsch als Zweitsprache und Grundbildungsbedarfen“ ausgewählt. Für sie soll ein lebensweltorientierter Grundbildungspfad entwickelt werden, der:

  • im Alltag der Frauen ansetzt,
  • bei Bedarf in Richtung Arbeitswelt führt,
  • bestehende Angebote stärkt und vernetzt,
  • neue Kooperationen aufbauen hilft.

In Gesprächen mit Fachkräften wurde deutlich:

  • Es gibt viele gute Angebote, aber zu wenig abgestimmte Zusammenarbeit.
  • Eine klare Datenlage zu Zielgruppen und Angeboten fehlt und wird gewünscht.
  • Eine breitere Vernetzung der Akteur*innen ist notwendig.
  • Es besteht Bedarf an Erweiterung und systematischer Strukturierung des bestehenden Grundbildungsangebots.

Offenbach bietet damit hervorragende Bedingungen, um lebensweltorientierte Grundbildung modellhaft weiterzuentwickeln.


Landkreis Darmstadt-Dieburg (LaDaDi)

Der Landkreis – Ausgangslage

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg umrahmt die kreisfreie Wissenschaftsstadt Darmstadt und besteht aus 23 Kommunen.
Wesentliche Merkmale:

  • ca. 300.000 Einwohner*innen
  • hoher Anteil Erwachsener mit Migrationshintergrund
  • 10 % der Erwachsenen ohne deutschen Pass
  • Arbeitslosenquote: 5 %
  • angespannte Haushaltslage, aber klares Bildungsengagement

Der Landkreis hat am Programm „Bildung integriert“ teilgenommen und ein verstetigtes, datenbasiertes Bildungsmanagement etabliert.

Grundbildung im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Der Landkreis möchte das Thema Grundbildung in den kommenden Jahren systematisch aufbauen und stärken. Ein zentrales Anliegen ist:

  • Ermittlung und Vernetzung der Grundbildungsangebote im Kreis
  • Schließen der Lücke, dass es bisher keine flächendeckende Übersicht gibt
  • Sichtbarmachung der vorhandenen Angebote

Bisherige Formate reichen von:

  • Sprachkursen
  • Kochkursen
  • Leseecken
  • politischer Grundbildung
  • digitaler Grundbildung
  • Finanzkompetenz
  • Alltagswissen

Eine klare Struktur und Zusammenführung stehen noch aus.

NetzWege im LaDaDi

Im Austausch mit der Kommune wurde eine Zielgruppe definiert, die besonders relevant ist:
(Junge) Erwachsene ohne Schulabschluss mit Grundbildungsbedarf im Übergang Schule–Beruf

Diese Gruppe wird oft von mehreren Herausforderungen gleichzeitig betroffen:

  • fehlende Grundkompetenzen
  • hohe Anforderungen im Übergang Schule–Beruf
  • häufige Abbrüche beim nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses (HA-SA)

Die vhs verzeichnet hohe Abbruchquoten, weil viele Lernende überfordert sind.
Der Landkreis plant deshalb:

  • einen vorgeschalteten Grundbildungskurs,
  • der vor den HA-SA-Kursen ansetzt,
  • Grundkompetenzen stärkt,
  • Übergänge stabilisiert.

NetzWege entwickelt dazu einen arbeitsweltorientierten Grundbildungspfad, der:

  • am Ende der Schulzeit bzw. beim Wunsch nach einem Abschluss im 2. Bildungsweg beginnt,
  • über Qualifizierung und Ausbildung führt,
  • bis zum Einstieg in Arbeit reicht,
  • Strukturen, Mechanismen und Netzwerke analysiert,
  • übertragbare Produkte und Modelle entwickelt.

Übertragbarkeit

Beide Modellkommunen zeigen unterschiedliche Ausgangslagen und Zielgruppen gemeinsam bilden sie die Grundlage dafür, dass NetzWege übertragbare Grundbildungsstrategien entwickelt.

Was in Offenbach und LaDaDi entsteht, wird in der Transferkommune Hanau weitergeführt und später auf weitere hessische Kommunen ausstrahlen.